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Wieder hat XENOPHON-Trainerin Elke Trümner einen namhaften
Referenten nach Ihringen geholt: Fritz Stahlecker stellte
seine Hand-Sattel-Hand Methode in einem Ein-Tages-Seminar
am 7. September 2008 in Praxis und Theorie vor. 70 Teilnehmer
nutzten die Chance, den bereits über 80jährigen
live zu erleben.
Fritz Stahlecker, der sich seit seiner Kindheit mit Pferden
beschäftigt, ist durch und durch Pferdemensch und seine
Begeisterung und Leidenschaft für die Pferdeausbildung
ist ansteckend. So ließ er es sich nicht nehmen, im
praktischen Teil am Vormittag mehrfach selbst die Zügel
in die Hand zu nehmen, um den Teilnehmern auf die Sprünge
zu helfen.

In der
Handarbeit vorgestellt wurden insgesamt fünf Pferde:
Elke Trümner, die selbst seit etwa drei Monaten nach
Stahleckers Methode arbeitet, nahm mit ihrem 9jährigen
Ponyhengst sowie einem 11jährigen Oldenburger teil. Beide
Pferde beherrschen das geschlossene Anhalten und Stehen, das
zu den ersten Übungen der Methode gehört, schon
sicher. Der Oldenburger zeigte bereits Traversalen in korrekter
Längsbiegung und erste Ansätze zur Piaffe.

Die Besitzerin
einer 6jährige Friesenstute hatte bereits zuvor Unterricht
bei Stahlecker gehabt und zeigte ebenfalls fortgeschrittene
Übungen wie spanischen Schritt und erste Ansätze
zur Traversale. Weitere Teilnehmer des Praxisteils waren eine
7jährige Warmblutstute und ein 9jähriger Lusitano,
die beide erst seit kurzem nach Stahleckers System gearbeitet
werden. So konnten die Zuschauer verfolgen, wie mit dieser
Arbeit begonnen wird und welches die ersten Übungen sind.

Vielen
ist Fritz Stahlecker als Buchautor, aus der Fachpresse und
von seinen Lehrfilmen bekannt. Inspiriert von der französischen
Reitlehre mit ihrem Ideal der „Légerété“
entwickelte er ein System, bei dem das Pferd zunächst
an der Hand weit ausgebildet wird – bis hin zu Piaffe
und Passage. Erst vierjährig werden die Pferde dann eingeritten
und sind aufgrund der guten Vorbereitung von Anfang an in
der Lage, den Reiter ausbalanciert zu tragen, ohne Spannungen
aufzubauen.
Zusätzliche Bekanntheit erreichte der Ausbilder, seit
dem Gestütsleiterin Dr. Astrid von Velsen-Zerweck ihn
im vergangenen Jahr an das Haupt- und Landgestüt Marbach
holte: In einem Projekt werden dort derzeit sechs Dressurpferde
über etwa 15 Monate nach Stahleckers Methode ausgebildet
und kommen im Frühjahr 2009 zur Auktion. Interessant
wird der Vergleich mit sechs weiteren Pferden, die parallel
dazu nach der herkömmlichen Marbacher Methode eingeritten
und dann bei der gleichen Auktion angeboten werden.
In seinem
Vortrag am Nachmittag erzählte Stahlecker immer wieder
von „seinen Marbachern“ und wie seine Methode
dort angenommen wird. Selbst wenn am Ende nur weniges davon
in das dortige Standardprogramm aufgenommen würde –
beispielsweise dass nicht mehr an der Trense sondern am Kappzaum
anlongiert würde – sei viel für das Wohl der
Pferde gewonnen.
Und
das Wohl der Pferde ist es, das Stahlecker am Herzen liegt
– das wurde immer wieder deutlich: Das Label „gewaltfrei“,
mit dem er seine Arbeit versieht, ist keine leere Phrase.
Ständig ist Stahlecker bemüht, beispielsweise
durch noch weichere Polsterung des Kappzaums oder ein
noch günstiger geformtes Gebiss den Pferden die Arbeit
so angenehm und schmerzfrei wie möglich zu machen.
Sein oberstes Ziel ist eine möglichst pferdeschonende
und von Leichtigkeit geprägte Ausbildung mit motivierten
Pferden. Reitkunst ist für Stahlecker, was ästhetisch
aussieht und wo Harmonie besteht – und dies könne
man niemals mit Gewalt erreichen.
Viele Seminar-Teilnehmer nutzten die Diskussion, um ihren
Unmut über die Dressurszene und die Misstände
auf Turnieren loszuwerden. |
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Stahlecker
ermutigte alle Turnierreiter dazu, sich nicht aus Frust zurückzuziehen
und damit den Grobianen das Feld zu überlassen, sondern
Dressur nach klassischen Grundsätzen auch weiterhin öffentlich
zu zeigen – auch wenn das nicht immer zu Platzierungen
führe.
Wer das
Seminar diesmal verpasst hat: Fritz Stahlecker wird voraussichtlich
im Frühjahr 2009 wieder in Ihringen sein.
Text
und Fotos: Franziska Löffler |